AusbildungVeranstaltungen

1. Rettungstag Waldeck

Rettungskräfte von Feuerwehr, Krankenhaus und Rettungsdienst trafen sich vom 07. – 08. September rund um das Feuerwehrhaus in Sachsenhausen um gemeinsam die Rettung nach Verkehrsunfällen zu trainieren.

Erklärtes Ziel der Feuerwehr Sachsenhausen war es, gemeinsam mit allen an der Verkehrsunfallrettung innerhalb der Stadt Waldeck beteiligten Hilfsorganisationen, die Rettung nach Verkehrsunfällen zu trainieren.

Am Freitagabend wurde mit den theoretischen Grundlagen begonnen. Während verschiedener Vorträge wurde auf der rechtlichen Seite beleuchtet wer die Einsatzleitung beim Einsatz verschiedener Organisationen inne hat oder wo rein praktisch die Tücken der Kommunikation zwischen Rettungsdiensten, Notärzten und der Feuerwehr liegen und wie gefährlich diese sein können. Es wurde eine Standard-Einsatz-Regel vorgestellt, die dazu dient sowohl sicherheits- als auch zeitoptimiert arbeiten zu können – denn erfahrungsgemäß gleicht kein Verkehrsunfall dem Anderen – jedoch gibt es gewisse Phasen eines Unfallrettungseinsatzes welche sich oftmals ähneln. Gleichzeitig wurde auf die Konstruktion moderner Fahrzeuge eingegangen. Diese stellt einerseits einen Segen dar, führt sie doch dazu, dass immer weniger Insassen in ihrem Fahrzeug eingeklemmt werden. Jedoch bedeutet dieses im Fall eines Unfalls mit Einklemmung, dass die Energie, die auf einen Insassen gewirkt haben muss, vermutlich so hoch gewesen ist, dass schwerste Verletzungen beim Insassen zu vermuten sind und somit höchster Zeitdruck bei der Rettung herrscht. Gleichzeitig sind jedoch auch die Anforderungen an Ausbildung sowie Technik der Retter gestiegen, denn heutige festere und steifere Materialien müssen eventuell bei einer Rettung umgangen werden, hierzu muss die Konstruktion des Fahrzeuges von der Führungskraft „gelesen“ werden können. Auch medizinisch verlagert sich der Fokus immer mehr weg von einer Versorgung im Fahrzeug, hin zu einer effizienten Behandlung nach dem C-ABCDE Schema, bei dem starke Blutungen gestoppt, die Atmung ermöglicht und gesichert wird und der Verunfallte warm gehalten werden muss. Die Kunst bei der Rettung stelle das parallele Arbeiten und das damit verbundene Teamwork von medizinischer und technischer Rettung dar.

Weiterhin wurden Mythen um moderne Antriebe wie Elektro und Hybrid angesprochen und festgestellt, dass diese zwar „anders“ aber keinesfalls für Retter gefährlicher sind wie herkömmliche Antriebsarten. Gleichwohl gilt es auch hier gewisse Besonderheiten zu beachten und schon bei der Erkundung des Fahrzeugs möglichst frühzeitig zu erkennen – hierbei müssen Rettungskräfte immer häufiger auf externe Informationen wie etwa die Rettungskarte oder aber in der Fläche kaum vorhandene EDV-gestützte Systeme, mit Kennzeichenabfrage setzen.

Als Fazit des Abends blieb festzuhalten, dass die Kompetenzen und Aufgaben an einer Einsatzstelle klar geregelt sein das unterschiedliche Vokabular der Organisationen durch gemeinsame Übungen vereinheitlicht werden muss, Ausbildung wie auch Technik zwingend auf einem modernem Stand und aktuell gehalten werden müssen und auch die Hilfsorganisationen sich der zunehmenden Digitalisierung, gerade vor dem Hintergrund komplizierter werdender Fahrzeugtechnik nicht entziehen dürfen.

Am Samstag wurden in einer Stationsausbildung in vier Teams aus 8 Einsatzkräften der Feuerwehr sowie 2 Einsatzkräften des Rettungsdienstes verschiedene Aufgaben gelöst und besprochen.

Jedes Team musste jeweils eine eingeklemmt Person aus einem PKW in einer komplizierten Dachlage sowie aus einem PKW nach einem Seitenaufprall mit massiver Einklemmung befreien. Im realen Einsatz stellen diese Szenarien zumeist hochkomplexe sowie aufgrund der häufigen Schwere der Verletzungen Herausforderungen für die Retter dar. Gemeinsam mit Notärzten des Krankenhaus Korbach, galt es die Verletzungen und Einklemmungen der Insassen, die Fahrzeuge mit ihren Besonderheiten sowie deren Lage und Deformationen zu erkunden, einen gemeinsamen Plan zur Rettung zu erarbeiten und dabei Fehlerquellen in der Kommunikation geschickt zu umgehen. Ein Notarzt versteht unter „schnell“ mitunter etwas ganz anderes wie eine Führungskraft der Feuerwehr – solche und weitere Fallstricke wurden durch erfahrene Ausbilder aus dem Bereich der technischen und medizinischen Rettung identifizert und aufgezeigt, sodass jedes Team die Lagen erfolgreich lösen konnte. Weiterhin stand an einer Station gezielt der Mensch im Fokus der Rettung, moderne Mittel der Blutstillung wurden vorgestellt, die hohe Bedeutung des Wärmeerhalts für die Insassen erläutert und sehr viel Praxis im Bereich der Entnahme von befreiten Insassen aus einem Unfallfahrzeug gesammelt. Zum Schluss wurde die moderne Kettenrettung demonstriert, eine grundsätzlich sehr alte Methode der Unfallrettung, bei der Unfallfahrzeuge mittels Ketten und Seilwinden in ihre Ausgangsform gestreckt werden um Insassen befreien zu können. Mit  Aufkommen hydraulischer Schneid- und Spreizgeräte verlor diese Methode in Deutschland mehr und mehr an Bedeutung. Im skandinavischen Raum, in dem Anfahrtswege für Rettungskräfte meist sehr lang sind, wurde diese Methode jedoch im Hinblick auf ihre Geschwindigkeit und Effektivität stets weiter entwickelt – und schwappt in ihrer modernen Form heute wieder nach Deutschland. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen  und gleichzeitig sehr schweren Unfällen, kann diese Methode einen weiteren und sehr schnellen Baustein zur Befreiung Schwerverletzter und damit zur Lebensrettung beitragen.

In der anschließenden Feedbackrunde äußerten sämtliche Teilnehmer ihre Begeisterung über das Format dieser gemeinsamen Fortbildung, war Vielen doch gar nicht bewusst mit welch kleinen Stellschrauben Reibungsverluste in der Zusammenarbeit eliminiert werden können.

Eine Wiederholungsveranstaltung im Jahr 2019 wird angestrebt.

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